Ich träumte von einer Welt
Ich träumte von einer Welt, die auf den ersten Blick nicht anders war als unsere.
Ich träumte von einer Welt, die sich, wenn man genauer hinsah, sehr von der unseren unterschied.
Ich träumte von einer Welt, in der der Mensch leichter atmen konnte, weil weniger Giftstoffe in der Luft waren, weil die Menschen sich anstrengten, andere Kraftstoffe als die fossilen zu finden.
Ich träumte von einer Welt, in der die Seen und Flüsse voller Fische und anderem Leben waren, weil der Mensch Obacht auf die ihn umgebende Umwelt hatte.
Ich träumte von einer Welt, wo Katzen auf der Straße spielen konnten, ohne dass sie überfahren wurden, weil der Mensch mit Rücksicht fuhr.
Ich träumte von einer Welt, in der kein Tier geschunden, gequält oder ausgebeutet wird, weil der Mensch sich als Teil und nicht als Krone der Schöpfung sah.
Ich träumte von einer Welt, wo es nicht vorkommt, dass Kinder geschändet werden, dass sie gequält oder zu Tode geprügelt werden, einfach weil sie schwächer sind, weil sich der Mensch der Verantwortung seiner Nachkommen bewusst geworden ist.
Ich träumte von einer Welt, wo der Mensch sorgsam mit den verbliebenen Ressourcen seiner Welt umgeht, weil er nicht nur egoistisch an sich und das hier und heute denkt.
Ich träumte von einer Welt, wo der Mensch zwar kein Vegetarier wurde, dafür aber Sorge trug, dass die Tiere, die ihm Nahrung boten, artgerecht behandelt und nicht qualvoll getötet werden.
Voller Verwunderung sah ich diese Welt in meinem Traum. Ein Kloß bildete sich in meiner Brust, ich sah zum Himmel und schrie: wie kannst Du mir diese Welt zeigen, wo ich doch weiß, dass das hier ein Traum ist und bleiben wird? Wie kannst Du mir das antun, wohl wissend, dass das hier ein Traum bleiben wird?
Dann kam er/sie/es, Gott, Allah, Buddha oder in welcher Form wir bereit sind, ihn/sie/es zu erkennen zu mir: Wieso denkst Du, müsste das hier nur DEIN Traum bleiben?
Weil wir Menschen sind, antwortete ich, nicht weiter erstaunt darüber, dass er/sie/es zu mir kam, denn es war immerhin mein Traum und im Traumland passiert so etwas schon mal.
Ist das Menschsein – so fuhr er/sie/es fort – ein Hindernis, damit dieser Traum Wirklichkeit wird?
Ja – antwortete ich – davon bin ich felsenfest überzeugt. Mir fielen Bilder ein, Bilder, wo Kinder tot auf einer Toilette gefunden wurden, von den eigenen Eltern zu Tode geprügelt, Katzen, die zum Sterben ausgesetzt werden, Hunde, die ohne Wasser bei 40 Grad in der Sonne ausgesetzt werden, Kriege, die wegen Rohstoffe geführt werden, Kinder , die verhungern, geschundene Tiere, geschundene Kinder, die für ein paar Cent am Tag unsere Luxuswaren zusammenbasteln. Ja, sage ich mit der Inbrunst, derer ich fähig bin, ich glaube, der Mensch wird diesen Traum nie erfüllen können. WARUM also zeigst Du mir das, was nie sein wird? Das, was nie möglich sein wird?
Er/sie/es nimmt mich an die Hand, die sich sehr weich, warm und vertraut in der meinen anfühlt. Komm – sagt er7sie/es – ich will Dir etwas zeigen.
Zuerst führt er/sie/es mich in eine Art Büro, wo eine ältere unscheinbare Frau an einem Krisentelefon sitzt und für Kinder in Not da ist. Sie sitzt da und nimmt jeden Anruf ernst.
Danach führt er/sie/es mich zu einer Familie, die geschundene Tiere, seien es Katzen, Hunde oder Pferde aufnimmt und sie wieder gesund pflegt, Tiere, die es ohne diese Menschen nicht geschafft hätten.
Dann sehe ich 3 Kinder, Jugendliche in einer Tierarztpraxis, wo sie mit einem verletzten Vogel sitzen, den sie auf der Straße aufgelesen haben, bereit, ihr gesammeltes Taschengeld für das Wohl dieses Tieres zu opfern.
Er/sie/es zeigt mir im Supermarkt einen Mann, der vom Angebot an Eiern welche aus Freilandhaltung in seinen Einkaufswagen packt.
Menschen werden mir gezeigt, die auch bereit sind, ein paar Meter zu gehen, anstatt für kurze Strecken ihr Auto zu nehmen.
Oder auch die Tierärztin, die in Ägypten den Menschen zeigt, dass ihre Esel länger leben und sie mehr von ihm haben, wenn sie ihn gut behandeln.
Aber auch die Gruppe junger Menschen, die Unterschriften gegen einen Kriegseinsatz sammeln.
Die Liste ist lang, aber ich starre ihn/sie/es am Ende der Fahrt nur verständnislos an, frage: was hat das mit meiner Frage zu tun? Was sollte das an meiner Einstellung ändern, dass wir Menschen diese Welt, von der ich träumte, nie werden errichten können?
Er/sie/es schaut mich an, ein Blick, der mich, als ich erwache, denken lässt, ich hätte etwas ganz wichtiges nicht verstanden.
Auch heute nach dem Erwachen überkommt mich hin und wieder dieses Gefühl, als hätte ich irgendetwas verstehen, sehen müssen, was ich aber nicht habe sehen und verstehen können.
So warte ich jede Nacht auf diesen Traum, dem Traum von einer Welt, in der Katzen auf der Straße spielen können, ohne Angst haben zu müssen, dass ein Tierquäler kommt und sie ihr Leben auf grauenvollste Art lassen müssen. Ich warte auf den Traum, wo Kinder nicht an ihrem Geburtstag vom von der Mutter getrennten Vater getötet werden. Ich warte auf den Traum einer Welt, in der es keinen Krieg gibt, wo es selbst dieses Wort nicht gibt.
Ich warte vergebens.