Herr Nachbar - geb. ca. 2004, gestorben 03.04.2009

Veröffentlicht auf von Bright

Herr Nachbar,

als ich Dich kennenlernte, warst Du ein halbwüchsiger Kater von ca. 10 - 12 Monaten. Ich konnte Dich nicht leiden. So ist es halt auch, wenn man Katzen als Lebewesen mit eigenem Charakter ansieht - da gibt es halt auch vom Menschen Antihphathien gegenüber schönen Katern wie Dich.

Vor allem konnte ich Dich nicht leiden, weil Du es Dir zum Sport gemacht hattest, unsere Bright auf die Palme zu
(Herr Nachbar - hi. re., mit Minimaus)

bringen. Redcliff und Bright mussten im Haus bleiben, und Du tauchtest ständig vor der Terrassentür auf, markiertest um das Haus herum, so dass es wie in einem Pumakäfig stank. Bis Bright vor Wut, weil Du wieder auftauchtest, die Kunststofffenster hochging, dachte ich, dies sei unmöglich. Redcliff wurde immer häufiger krank, er kränkelte sowieso.

Ca. 1 Jahr nach unserem Einzug, zog Seymour im Mai 2006 bei uns ein.

Du zogst in dieser Zeit mit Minimaus um die Häuser, eine unkastrierte Kätzin, die wir erfolglos einzufangen und zu kastrieren versucht hatten. Sie war trächtig, vor allem wohl von Dir. Immer erschient ihr in diesem Sommer im 2'er Pack. Leider überlebte sie - die erst gerade ca. 6 Monate alt war, die Geburt nicht, sie lies sich auch nicht einfangen, als es kurz vor der Geburt war.

Etwa im July fand ich die ersten Pinkelecken bei uns im Wohnzimmer. Seymour wurde 5 Monate alt und regte sich auch über Dich auf. Bright ging einmal wegen Dir stiften, um Dich zu vertreiben, zum Glück kam sie wieder und dieses Abenteuer ging gut für sie aus. Redcliff wurde immer kränker, er reagierte auf fast nichts mehr. Wir schilderten unsere Geschichte hier im Forum.

Nachdem es mit Redcliff so nicht mehr weiter ging, und auch Seymour immer agressiver wurde, entschlossen wir zunächst, Seymour vor dem Termin, die die TÄ sagten, mit 5,5 Monaten kastrieren zu lassen. Einzig, weil wir dachten, damit ginge es schon etwas besser. Leider war das eine Fehldiagnose. Seymour entschied, immer noch agressiv zu sein. Bright hasste Dich immer noch. Draussen stank es immer noch nach Puma.

Nach weiteren 2 Wochen musste ich mal wieder mit Redcliff zum TA. Ich schaffte es, Dich zu fangen und mitzunehmen. Beim TA entschieden wir, Dich kastrieren zu lassen, auch wenn Du nicht unser Kater sonder der der direkten Nachbarn warst. Deine Leute liebten Dich, keine Frage, aber sie hatten etwas andere Vorstellungen davon, wie Du zu halten wärst als wir. Du musstest fast den ganzen Tag und Nacht draussen verbringen, auch im Winter. Irgendwann fandest Du unseren gelben Sack und die Futterdosen da drin. Lecker - dachtest Du wohl. Dann bekamst Du mit, dass wir gegen 06.00 Uhr aufstanden, Du aber von Deinen Leuten erst um 07.00 Uhr ins Haus zum fressen gelassen wurdest. Irgendwie setzte sich die Idee bei Dir fest, versuche ich doch, um 06.00 Uhr die erste Fütterung bei den Nachbarn, und dann um 07.00 Uhr bei meinen Leuten zu erhaschen. Wir gingen nicht darauf ein.

So wurdest Du dann von uns kastriert. Redcliff bekam Kortison. Beides bewirkte, dass er dann 1 Jahr lang ohne Krankheiten überstand.

Deine Leute zogen im Sommer 06 fort. Sie zogen in eine Etagenwohnung, nur 500 m Luftlinie vom alten Zuhause entfernt. Sie nahmen Dich natürlich mit. ABER, Du hattest andere Pläne, denn die Etagenwohnung gefiel Dir anscheinend nicht. Immer und immer wieder tauchtest Du in unserem Garten auf. Zwischenzeitlich zogen neue Menschen in das Haus neben uns ein, die hatten 2 Terrier und kein Interesse noch einen Kater zu übernehmen, auch wenn ich noch so versuchte, sie zu überreden.

Damit fing Dein Kampf um den Einzug bei uns an. 1 Jahr dauerte dieser Kampf. Deine Menschen kamen in unseren Garten und transportierten Dich an die 5 x wieder nach Hause, aber kaum freigelassen, erschienst Du wieder. Sie wollten Dich ins TH bringen. Nach Rücksprache mit einer TÄ entschieden wir uns, Dich mit durch zu füttern. Wir stellten Dir draussen ein Häuschen auf, damit Du es warm hättest und Du bekamst Futter, Krauleinheiten und TÄ-Versorgung. Wenn ich draussen war, spielten wir auch. Wir entschieden uns so, weil Du ja schon zuvor so - aber ohne windgeschützes Häuschen - bei Deinen Menschen gelebt hattest.

Nur, Katertier hatte andere Ambitionen und wenn ein Katertier seinen Willen nicht bekommt, liegt es nicht daran, dass der Mensch nicht will, sondern, dass Katertier seinen Willen nicht deutlich zum Ausdruck gebracht hatte.

1 Jahr Psychoterror - das übersteht keiner. 1 Jahr einen schönen schwarz/weißen Kater vor der Tür hocken sehen: Rah? kann ich rein? Rah? Warum nicht? Rah!!!!!!! Ich will aber!!!!!!!!!!!!!!!!

Er bekam seinen Willen, als sich das Freigehege, welches wir 2007 bauten, sich als nicht einbruchssicher zeigte.

Auf einmal stand Herr Nachbar in der Terrassentür: Frauchen freust Du Dich, mich zu sehen? Nein, und Katertier flog durch die Haustür wieder raus, nur um schneller im Wohnzimmer zu sein als ich. Letzendlich brach er 7 x ein und ich warf ihn 6 x raus, somit war klar, er hatte seinen Willen.

Damit fingen die Probleme hier erst recht an. Es gab schon welche zwischen Bright, Redcliff und Seymour. Nun auch noch Herr Nachbar, den erklärten Feind von Bright. Redcliff, der früher an der Leine in den Garten durfte, verstand sich draussen sehr gut mit Herrn Nachbarn. Beide lagen sie im Gras, Pfote an Pfote und schauten genüsslich in die Sonne. Nun aber im Haus begrüsste Redcliff Herrn Nachbarn freudig, der aber reagierte agressiv, etwas, was Redcliff überhaupt nicht zu verstehen schien. Bright überraschte mich, denn sie tötete den Eindringling nicht, etwas was ich erwartet hätte. Spielte Herr Nachbar Sofakissen, ging alles gut. Seymour verfolgte Herrn Nachbarn auf Schritt und Tritt.

Im August verstarb Redcliff. Ich trauerte um ihn, Herr Nachbar tröstete mich, indem er zu mir kam, wenn ich weinte und mich anstupste.

In der Folgezeit wurde es immer schlimmer zwischen Herrn Nachbar, Bright und Seymour. Wir arbeiteten mit einer Tierpsychologin, auch weil das Thema Unsauberkeit immer noch bestand. Nun schon seit über 1 Jahr. Als Verantwortliche wurde Bright entdeckt. Aber auch Redcliff wird wohl unsauber gewesen sein, weil er kurz vor seinem Tod eine Nierenentzündung hatte, die Unsauberkeit die dadurch kam, wurde wohl der schon unsauberen Bright in die Schuhe geschoben. Sie wurde auf frischer Tat ertappt und somit war auch bewiesen, dass sei unsauber ist.

Seymour fing an, seine Küchentür, wo es Futter gab, gegen jeden zu verteidigen. Kam jemand dieser Tür zu nahe, wurde er verprügelt.

Herr Nachbar blockierte Durchgänge, setzte Kratzmarkierungen, was Bright nicht hinnehmen konnte.

Ich fing an, ein Agressionstagebuch zu führen. An guten Tagen schlugen sich die 3 nur an die 21 x, an schlechten Tagen kam es zu 41 Schlägereien und Vorfällen, angefangen von Fellbüschel fliegen, bis hin zu Durchgängen blockieren.

Bright fing an, ständig krank zu werden. In einem Jahr bekam sie 4 x eine Augenentzündung, 2 x Bronchitis, 10 x eine Blasenentzündung, 1 x eine Nierenentzündung, 2 x Harngries. Das reichte. Sie war ständig beim TA oder sogar in einer Tierklinik. Nach dem Tod ihres Bruders, bei dem man kurz vor seinem Tod auch noch festgestellt hatte, dass er wohl wegen einer nie entdeckten Allergie nur noch einen Lungenflügel hatte, wurde sie auch geröngt, da sie zu schnell außer Atem kam und sehr lange benötigte, um aus einer Narkose zu erwachen. 2005 bekam sie auch eine Zeit lang keine Luft und hustete. Der TA in der TK fand heraus, dass ihre Lunge und ihr Herz geschädigt sind und die eine Allergikerin ist. Die Unsauberkeit wurde aber weiterhin auf die Psyche geschoben, wobei 3 TÄ, die Tierpsychologin, 1 Tierheilpraktikerin und die Tierklinik der Meinung waren, es läge an Herrn Nachbarn. Zumindest aber sollte der herrschende Stress mit Herrn Nachbarn Bright krank machen.

Erschien Herr Nachbar zunächst als Opfer, so zeigte das Tagebuch später, dass er nun anfing, Bright und Seymour anzugreifen.

Schweren Herzens entschieden wir uns nun ein neues Zuhause für ihn zu suchen. Er lebte zu diesem Zeitpunkt 1 Jahr bei uns im Haus, hatte also seinen Willen vor einem Jahr durch gesetzt. Als er bei uns einzog, wog er 4,2 kg, stockte aber auf 6,7 kg auf. Wir versuchten, sein Futter zu reduzieren, leider war er Freigänger und die Schwester seiner Leute wohnte in unserer Nähe. Sie fütterte ihn auch, wenn sie ihn sah, das hatte sie seinen Menschen versprochen. So konnten wir tun was wir wollten, er wusste ja, wo er zustätzliches Futter bekam. So nahm er weiter zu, obwohl wir ihm nur noch 1 x täglich Futter gaben.

Im July 2008 zog er dann in die Nähe von Frankfurt zu einer netten Familie mit einem vorhandenen Kater und einem Hund und 2 Kinder.

Er wurde dort richtig kuschelig und forderte morgens BEVOR er Futter haben wollte, seine Krauleinheiten ein, etwas, das er hier nie getan hätte. Hätter er Krauleinheiten haben wollen, Bright hätte ihn angegriffen. Die 2 Kinder liebten ihn, er terrorisierte den Hund, kam aber mit dem vorhandenen Kater sehr gut zurecht. Bilder, die ich bekam, zeigten, einen zufriedenenn Kater, der sich das 3'er Sofa für sich reserviert hatte, der Rest der Familie konnte schauen, wo sie Platz fanden.

Bei uns reduzierte sich das Pinkel etwas. Fand ich vor seinem Auszug zum Schluss täglich Urin irgendwo im Haus, so ging es später auf jeden 5. Tag. Nur, Bright wurde nicht mehr so häufig krank. Im letzten Jahr war sie nur ein Mal in der TK, weil ich einen Knubbel unter ihrem Bauch entdeckte, was sich als Nabelbruch herausstellte. Derjenige, der sich hier komplett änderte war aber Seymour. War er vorher überhaupt nicht an uns Menschen interessiert, änderte sich das nach Herrn Nachbar's Auszug komplett. Auf einmal durfte man Seymour kraulen, er fordert nun auch seine Krauleinheiten hin und wieder ein. Zudem hörte er auf, seine Küchentür zu verteidigen. Gleichfalls fand ich auf einmal im Keller vor der Vorratstür, in der auch sein Trockenfutter gelagert wurde, keinen Urin mehr. Uns stellte sich die Frage, ob Seymour für diese Stelle verantwortlich sein könnte? Es ist nicht ungewöhnlich, dass in einem Haushalt, wo eine Katze unsauber ist, sich die anderen anschließen.

Obwohl es die beste Lösung für die Katzen zu sein schien, heulte ich Tage- und Wochenlang, ich vermisste meinen Weiskragenbären, den Kater, den ich zunächst nicht leiden konnte. Ich vermisste sein Rahrah, vermisste es, wenn ich nach Hause kam, an den Garagen begrüsst zu werden (Rahrah, warum kommst Du so spät, was hast Du noch gemacht, bekomme ich nun Fressen), dann das Wettrennen zur Haustür, damit er nicht ausgesperrt wird. Der Pizzabote trat noch Monate später zur Seite, wenn ich die Haustür öffnete, damit ein schwarzer Schatten an ihm vorbei ins Haus stürmen konnte. Seine Abwesenheit tat weh.

Kurz vor Weihnachten dann die Nachricht: Herr Nachbar hat Struvit und dadurch bedingt eine Blasenentzündung.

Wir hatten ihn vor der Abgabe in der TK untersuchen lassen, weil er so viel trank. Er war gesund. Er zog auch Naßfutter dem Trockenfutter vor. Also mal ein Fall, wo Struvit mal einen Kater trifft, der keine Probleme damit hatte, Wasser aufzunehmen.

Herr Nachbar musste in den folgenden 2 Monaten ständig zum TA, Antibiotika nehmen. Seine Leute hatten richtig Angst um ihn. Die TÄ meinte auch, dass er abnehmen müsste. Er bekam nun Nierendiätfutter, auf Leckerlies sollte rigors verzichtet werden. Im Januar bekam ich dann die Nachricht, dass es ihm besser ginge.

Folgende Bilder zeigten einen zufriedenen Kater, dem es gut zu gehen schien. Seine Menschen schrieben mir, er habe gut abgenommen und wöge nun etwa 4,7 kg.

Kurz vor unserem Umzug ins neue Haus bekam ich noch eine Nachricht von seinen Menschen mit neuen Bildern. Es ginge ihm gut.

Nur 2 Wochen später, am 03.04.2009 dann die Horrormail: Herr Nachbar ist tot. Akutes Leberversagen. Er lag am 03.04. nur herum, sie gingen sofort zum TA mit ihm, der stellte das Leberversagen fest, meinte, entweder etwas angeborenes oder FIP. Sie ließen ihn gehen.

Obwohl ich ihn zu diesem Zeitpunkt seit 7 Monaten nicht mehr gesehen habe, schmerzt es. Vielleicht auch, weil ich mich verantwortlich fühle. Ich weiß nicht genau, was passiert ist, denn ich war nicht mit ihm beim TA, ich war nicht bei ihm, als er krank wurde und auch nicht, die Tage vor seinem Tod. Wäre es einfacher, wenn ich ihnn hätte begleiten dürfen? Wenn ich sämtliche Entscheidungen hätte trefen müssen? TA oder TK? Gewichtsreduktion ja oder nein?

Ich weiß, seine neuen Menschen haben ihn geliebt, sie haben sehr gut für ihn gesorgt, das ist nicht die Frage.

Die Kinder haben es erst Karfreitag erfahren, weil sie zu seinem Todeszeitpunkt im Urlaub waren. Ich hoffe, sie finden bald Trost.

Ich habe Herrn Nachbarn 2 x verloren. Auch beim 2. Mal tut es noch so weh. 


Herr Nachbar, wenn es das Regenbogenland gibt, hat Dich Redciff erwartet. Nun könnt ihr wieder auf der Wiese nebeneinander liegen, Pfote an Pfote und in den Sonnenuntergang schauen. Nun wirst Du nicht mehr agressiv auf unseren roten Schmusebären reagieren. Auch Minimaus wird da sein und Dich wieder terrorisieren, wie wir Frauen es mit euch Männern halt so manchmal tun.

Im Regenbogenland gibt es keine Ringelschwanzkatze, die Dich verprügelt, nur weil Du nach draussen gehst. Somit kannst Du Deine Freiheit wieder geniessen.

Ich vermisse Dich so sehr. Wie auch Dich Redcliff. Habt eine schöne Zeit.

Euer Frauchen
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Veröffentlicht in Sternenkatzen

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